Die Bruderschaft

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Sandebeck-Bergheim wurde 1609 in Sandebeck als eine gemeinschaftliche Bruderschaft beider Dörfer gegründet, aus dieser Zeit trägt sie noch heute ihren Namen Aus dem ersten und ursprünglichen Schützenbrief ist im ersten Paragraphen zu erlesen, dass der Landfürst von Paderborn für die Orte Sandebeck und Bergheim anordnete, sich als Schütze - und das betraf alle Männer mit ihrem Ober- und Untergewehr - am 1.Januar 1609 zum Scheibenschießen zu melden und einzufinden. 

Der Landfürst legte zu jener Zeit einen Pflichtbeitrag pro Schütze fest, er umfasste einen Scheffel Gerste. Dieses Korn sollte dann im Herbst ausgesät werden, um anschließend vom Ertrag der Saat ein Schützengelage bei Hochzeiten oder bei Begräbnis ein so genanntes „Schwarzes Münsterrisches“ anbieten zu können.

Der zweite Paragraph des damaligen Schützenbriefes regelt die kirchlichen und religiösen Aufgaben der Schützenbruderschaft. So ist eindeutig festgelegt, dass zunächst ein Opfer am Altare darzubringen sei, auf das, so wörtlich: „Gott der Allmächtige Glück und Segen verleihen möge.“ Wer nicht in aller Aufmerksamkeit und der richtigen Einstellung an dieser Andacht teilnahm, wurde mit einem Strafgeld in Höhe von einem Schreckenberger (ca. viereinhalb Groschen) belegt. Wer der Andacht gänzlich fernblieb, musste ein Strafgeld in der Höhe von einer Tonne Bieres leisten.

Paragraph Drei regelt die Zucht und Ordnung jedes einzelnen Schützen und der Gemeinschaft. So ist zu lesen dass: „Auch ein jeder Schütze in seinem Gliede ab und zu in guter Ordnung zu gehen hat. Wenn der eine oder der andere dagegen handeln würde, so sollte der Führer (heute Oberst oder Vorsitzender genannt) denselben gütlich darin anweisen. Sollte der Schütze sich dann nicht unterweisen lassen, sodann soll dem Führer erlaubt sein, denselben, ungehorsamen Schützen mit einem Knüppel in sein Glied zu bringen, und dann, gleichwohl denjenigen mit willkürlicher Strafe von dem Vogde, den Dechen, sowie den Schäfferen und Gerichtsherrn voll gestraft zu werden.“

In den Paragraphen vier bis zwölf wird geregelt, wie man als Gemeinschaft zusammen zu feiern hat. So ist zu lesen, dass alle am Tisch Platz zu nehmen haben und Freunde ohne ausdrückliche Erlaubnis keinen Zutritt zum Fest bekommen. Beim Tanz darf kein Schütze dem anderen vorgreifen oder gar die Frauenpersonen belästigen. Die Dechen waren dafür verantwortlich, dass diese Benimmregeln auch eingehalten wurden. Wurde ein Schütze dabei erwischt, sich nicht an diese Ordnung zu halten, so wurde er mit einem Strafgeld belegt, die Höhe war auch für diesen Fall mit einem Schreckenberger festgelegt. Der ursprüngliche Schützenbrief wurde im Jahre 1777 durch weitere Paragraphen ergänzt und mit Unterschrift des Hochfürstlichen Rentmeisters C.A. Herzfeldt am 27.Mai 1777 als wirksam erklärt. Schullehrer Wilhelm Drübe fertigte 1845 eine Abschrift des Originalschützenbriefes von 1609 und der Ergänzung von 1777 an, da die Originale weitgehend unleserlicher wurden.

Über die Aktivitäten von Schützen in den Jahrhunderten ist wenig bekannt, da die meisten Aufzeichnungen und Schriften unleserlich geworden sind.

Leider ist der Originalschützenbrief von 1609 sowie die Erweiterung von 1777 durch Feuchtigkeit und unpassende Lagerung so unleserlich geworden, dass auf den folgenden Seiten auf Auszüge (ersten beiden Seiten) der Abschrift des Schützenbriefes zurückgegriffen wird.


  

So ist also festzustellen, dass es seit uralten Zeiten in Bergheim eine Schützenkompanie gab. Die drei bedeutendsten Offiziersämter: Führer, Kapitain und Fähnrich wurden an die jeweiligen Inhaber verkauft. Die übrigen Ehrenämter: vier Rottmeister, zwei Dechen, zwei Schöffen, zwei Bankmeister wurden zur einen Hälfte von den Vollmeiern, zur anderen Hälfte von den Halbmeiern und Köttern besetzt. Diese Zweiteilung hatte seit Jahrhunderten das Schützenwesen in Bergheim bestimmt und sicherlich auch wohl belastet, bis es 1818 zum offenen Bruch kam. 

Beim Schützenfest dieses Jahres konnten einige Ehrenämter von den Vollmeiern nicht besetzt werden, weil sie nicht genügend dienstfähige Männer zur Verfügung hatten. Nun wollte man die freien Stellen mit den ältesten Schützen, ungeachtet ihrer sozialen Stellung, besetzen, was den Widerstand der Meier herausforderte. Es kam wie es kommen musste, beide Bevölkerungsgruppen feierten ihr eigenes Fest. Trotz aller Bemühungen wurde der Streit in den folgenden Jahrzehnten nicht beigelegt, sondern erreichte seinen absoluten Höhepunkt im Jahre 1865 als es zur erneuten Eskalation kam.

Die so genannten „Iselmeier“ (pferdebespannte Halbmeier) trennten sich von den Köttern und Häuslern, und so feierte die Uneinigkeit ihren höchsten Triumph. Es wurden tatsächlich drei Schützenfest gefeiert und die Musikanten blieben vierzehn Tage im Dorf. Am Sonntag, Montag und Dienstag feierten die jungen Schützen, am Donnerstag und Freitag die Iselmeier und noch ein mal am Sonntag, Montag und Dienstag die Alten Schützen.

Im darauf folgenden Jahr 1866 begann der Streit bereits von neuem, jeder wollte sein Fest zuerst feiern, doch bevor der Streit nun vollends die Bürger des Dorfes entzweite, machte ihn ein furchtbares Ereignis hinfällig. Anton Lenschen (+ 1947) berichtet uns wie folgt: Anfang Juli war der allein stehende Bernhard Müller von der Heuernte in Holland schwer krank zurückgekehrt. Weil sich in seinem Haus keine Toilette befand, hatte er die des Nachbarn Christian Kleine benutzt. Am 8. Juli erkrankte dessen sechsjährige Tochter und starb einen Tag darauf. Als am 10. Juli auch noch der Vater erkrankte und am folgenden Tag starb, wusste jeder im Dorf die furchtbare Wahrheit: die Cholera, die gefürchtete Seuche des 19. Jahrhunderts, war im Dorf angekommen. Bis zum 14. August erkrankten 52 Einwohner, 16 von ihnen starben schlussendlich an der Cholera.

Das Schützenfest fiel aus. Die Liborius-Prozession, sonst das glanzvollste Ereignis im Jahr, zu der früher die auswärts wohnenden Bergheimer und andere Pilger von nah und fern ins Dorf gekommen waren, glich einem Trauerzug. Ein einziger Gast war gekommen, vor dem Sakrament gingen zwölf Kinder und hinter ihm ebenso viele Erwachsene, während gleichzeitig im Ort fünf Tote über der Erde standen und noch am Morgen drei weiteren Kranken die Sterbesakramente gespendet wurden. Das hatte die Bergheimer nachdenklich werden lassen und so feierte man 1869 wieder ein Schützenfest friedlich und in voller Einigkeit. Mochte in früherer Zeit die eigenartige Struktur der Bergheimer Einwohner das Leben in der Bruderschaft bestimmen und beim größten Volksfest des Jahres die Standesunterschiede nach außen sichtbar werden lassen, so sind heute Uneinigkeit und Streitereien in vorbeschriebener Art und Weise längst Geschichte geworden. Der Vorstand des Vereins wird von der Generalversammlung frei gewählt, die beiden Schützenkompanien werden regional aus dem Unterdorf und aus den Siedlungen gebildet.

Der vorbeschriebene Jungschützenverein konnte noch bis in das Jahr 1938/39 nachgewiesen werden löste sich dann aber mangels Masse und vor dem Hintergrund der Kriegsjahre auf. Der letzte Jungschützenkönig 1939 war Wilhelm Altenberend mit seiner Königin Josefa Weber. Teile der eigens für diese Schützenabteilung angefertigten Königskette sind noch vorhanden, auch wenn einige Einzelmedaillen in den Wirren des letzten Weltkrieges verloren gegangen sind.

Besonders die Machthaber in der Zeit des National Sozialismus lehnten die Gründung oder Unterhaltung von kirchlich orientierten Vereinigungen und besonders Schützenbruderschaften ab. Um dennoch ein aktives Vereinsleben aufrecht halten zu können, mussten sich die Bruderschaften dem neuen Diktat unterwerfen und die Vereinsziele und auch die Namensgebung neu ordnen. So wird in der Vereinssatzung von 1938 nicht mehr von einer Bruderschaft, sondern von einem Bürgerschützenverein gesprochen. Und auch die Vereinsziele schließen im Besonderen die Bestrebungen und Bindungen konfessioneller Art aus. Der Verein ist neben seiner Mitgliedschaft im Schützenbund automatisch auch Mitglied im „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“.

In den Kriegsjahren von 1939 bis 1948 ruhte das Schützenwesen in ganz Deutschland oder war, wenn es sich um kirchlich orientierte Vereine oder Bruderschaften handelte, ganz verboten. Erst langsam normalisierte sich das Vereinsleben wieder und die große Blütezeit der Schützen begann. Um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein, schlossen sich die Bruderschaften zu Bezirks- und Bundesverbände zusammen.

Erst im Jahre 1948 wurde in Bergheim erstmals wieder ein König ausgeschossen. Dieses geschah unter großen Auflagen der damaligen englischen Militärregierung nicht mit einem Gewehr, denn die waren zu diesem Zeitpunkt noch verboten, sondern mit einer Armbrust.´Die Königswürde errang Anton Hindahl, seine Königin war Elisabeth Lücking.